Parada Rónosci

By André Stephan

Vielfalt und Toleranz müssen auch in Osteuropa gelten. Etwa 4.000 Menschen haben deshalb am Samstag in der Polens Hauptstadt Warszawa den Christopher-Street-Day gefeiert und für gleiche Rechte aller Lebensformen demonstriert. War die “Parade der Gleichheit” (Parada Rónosci) in den vergangenen Jahren teils verboten oder von heftigen nationalistischen Protesten begleitet worden, verlief sie 2007 weitgehend friedlich.

CSD Warschau, am Sejm; Foto: André Stephan
Tausende demonstrierten in Warszawa für Gleichberechtigung; Fotos (2): André Stephan

Fünf Wagen von politischen Organisationen wie der FYEG oder von kulturellen Einrichtungen schwammen im Menschenstrom durch die Innenstadt mit. Vom Parlamentsbau ging es zum Rathaus. Viele säumten die Wegstrecke oder winkten aus ihren Wohnhäusern herunter. Diese mutigen Gesten wurden mit frenetischem Jubel und ausgiebigem Beifall der Demonstrierenden belohnt.

Nicht unerheblich dürfte die Beteiligung aus anderen europäischen Staaten gewesen sein. Ein buntes Sprachengewirr war zwischen den stampfenden Beats bzw. klassischen CSD-Songs á la “I am what I am” zu vernehmen. Demonstrierende schwenkten etwa finnische, schwedische oder spanische Flaggen. - Letztere wahrscheinlich vor allem als Verweis darauf, wie ein anderes erzkatholishes Land dennoch Gleichberechtigung für Lesben und Schwule etwa durch Öffnung der Ehe auch für deren Partnerschaften durchzusetzen bereit ist.

Irgendwie auch Zwillinge: Bildungsminister Giertych und Präsident Kazcynsi
Irgendwie auch Zwillinge: Bildungsminister Giertych und Präsident Kazcynsi

Aber auch die Anteilnahme und Beteiligung von Politikerinnen und Politikern aus der Bundesrepublik war groß. Nicht nur Grünen-Frontfrau Claudia Roth und der “Erfinder” des Lebenspartnerschaftsgesetzes Volker Beck (auch Bündnis 90/Die Grünen) , auch etliche Vertreterinnen und Vertreter der Berliner Landespolitik mischten sich in die Menge und auf den “Promi”-Wagen, der die Parade anführte. Die bündnisgrüne Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün nahm mit einer Gruppe teil, der unter Anderem der Abgeordnete Thomas Birk und ihr Sprecher Oliver Jütting angehörten.

Jedoch sind diese Besucherinnen und Besucher als wohlverstandene Unterstützung dabei, nicht etwa für die Missionierung mit “westlichen Ideen”. Früher brauchte es die Anwesenheit von Politikerinnen und Politikern aus dem Ausland, um einem Verbot zu entgehen und Polizeischutz zu erzwingen. Heute gibt es Menschen wie Warschaus neue Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz, eine Politikerin der Liberalen. Sie hat zugesagt, den Organisatorinnen und Organisatoren keine Stöcke zwischen die Beine zu werfen. Und Wort gehalten, was die Hoffnung auf eine Umdenken im Nachbarland noch verstärkt. Die vielen jungen Demonstrantinnen und Demonstranten - egal ob lesbisch, schwul, bi-, heterosexuell oder transgender - machen jedenfalls Mut. Ein schöner Tag für Europa.

: Parade der Gleichheit
: taz vom 21. Mai 2007

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