Speichenhelden

By André Stephan

Es stehen gar nicht immer nur zwei Dinge zur Wahl. Etwa gibt es bei der Fortbewegung durch das hauptstädtische Verkehrsdickicht mehr als nur die Qual zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln (teuer, nachts oft umwegig) oder dem Auto (teuer, laut, stinkend, sperrig…). Gewitzte Zeitgenossinnen und -genossen weichen schon jetzt auf Schusters Rappen (preiswert, direkt aber oft langsam und kraftaufwändig) oder den Drahtesel aus (auch preiswert und direkt, aber vergleichsweise hohe Reisegeschwindigkeit).

Abstellanlage für Fahrräder am Bahnhof von Malmö (Schweden); Foto: André Stephan | CC
Abstellanlage für Fahrräder am Bahnhof von Malmö (Schweden); Foto: André Stephan | CC

Dabei fehlt es noch an einigen Maßnahmen, um Berlin als echte Fahrradstadt zu qualifizieren. Dabei meine ich gar nicht Allgemeinforderungen wie eine vernünftige Streckenführung auf allen Fahrradrouten, sichere Straßenbeläge und mehr Fahrradstraßen. Fahrrad-Haltegriff in Tübingen; Foto: Otto Buchegger, TübingenEs sind gerade die Details, aus denen deutlich wird, ob ein Verkehrsmittel von Politik und Verwaltung geschätzt wird oder ob es sich um lästiges Beiwerk handelt.

Eklatanter Nachholbedarf besteht beispielsweise bei der Verknüpfung von Fahrrad- und Nahverkehr. So fehlt es an geeigneten Abstellanlagen an den meisten Stationen und Haltestellen. Andere Städte machen uns längst vor, dass solche Einrichtungen beiden Verkehrsträgern nützen und den Autoverkehr zurückdrängen. Ganz nebenbei wird dadurch auch ein weiteres Problem entschärft: Die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln.

In Zeiten reduzierten Fahrzeug- und Wageneinsatzes bei der Berliner S-Bahn aber auch im U- Bahn-Betrieb sind Fahrräder für die anderen Fahrgäste tatsächlich eine Zumutung. Bestenfalls hat man Minutenlang ein Pedal in der Kniekehle. Schlimmstenfalls findet sich nach Ausstieg ein schöner Reifenabruck auf dem Abendkleid. Profilierung als Verkehrsmittel für jederman sieht anders aus. Deshalb hilft nur eins: Entweder vernünftige Unterbringungsmöglichkeiten Da geht die Luft nicht aus; Foto: André Stephan | CCan den Stationen schaffen oder weiteres Wagenmaterial aufs Gleis stellen.

Um den Fahrrad Fahrenden das Leben leichter zu machen, lässt man sich anderswo jedenfalls Einiges einfallen. So hat man in Tübingen Lichtsignalanlagen mit Haltegriffen versehen, um das Vorankommen mit dem Drahtesel zu beschleunigen. Im schwedischen Malmö gibt es an verschiedenen Stellen der Stadt Druckluft-Automaten. Eine Fahrt zur Tankstelle wird für die Biker somit gänzlich überflüssig.

Immer wieder wird in Berlin mit Strategien und Masterplänen die Fahrradlobby zum Stillhalten gebracht. In diesen Monaten fließen sogar ein paar Euros aus dem Senatssäckel, um das ein oder andere davon umzusetzen, eine Abmarkierung hier - ein Fahrradständer dort. Aber wie gesagt: Es sind die Details, die an die Zweiradfans das deutlichste Signal aussenden könnten.


Quellenhinweis Fotos: “Haltegriff” von Otto Buchegger, Tübingen; übrige André Stephan

2 Responses to “Speichenhelden”

  1. Nele

    ach, wär das man schön…

    #1038
  2. Michael

    Ich sehe Du bist momentan viel unterwegs ;-)

    #1186

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