Schloss und Schlüssel
Nun kommt es also wohl doch: das Berliner Stadtschloss in all seiner preußischen Pracht. Mit historischer Fassade, weil Berlin so etwas schließlich noch braucht. Keine Parks, keine Wolken – dafür aber mit Kuppel. Wahrhaft königlich, nur so ist all das einer Metropole inmitten Europas würdig. Einen Architekturwettbewerb für das noch nicht gestartete Bauprojekt “Humboldtforum” will man zwar durchführen. Aber selbst die an der Stadtregierung beteiligte Linkspartei.PDS in Berlin kritisiert bereits, dass der Kompromiss zwischen Bund und Senat mit all zu starken Gestaltungsvorgaben einengt.

Reicht es am Ende gar nur für eine Atrappe?; Quelle: Wikipedia.org - GFDL-Bild
Natürlich hindert die Partei, die mit dem Preußentum wohl ebenso wenig zu tun hat wie mit der letzten Gehaltserhöhung für die Topmanager der DAX-Unternehmen, diese Kritik nicht daran, alles mitzumachen, was ihr Koalitionspartner SPD so verhandelt hat mit den Fraktionshaushälterinnen und -haushältern im Bundestag. So, wie sie ja auch den Abriss des Palastes des Republik trotz Regierungsbeteiligung in Berlin nicht verhindert hat. Ein Jammer, war der “Palazzo Protzo” zuletzt nicht nur unter Honni- oder Architekturfans Kult.
Und viel zu sagen wird Berlin und sein Senat in Sachen Humboldtforum wohl auch in Zukunft nicht haben, keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf das, was da wächst. Lediglich knapp 7 Prozent der Kosten von geschätzt 480 Millionen Euro steuert Berlin bei, neben den Grundstücksanteilen selbstredend. Da reklamieren selbstredend diejenigen das Sagen für sich, die die “übrigen” 93 Prozent löhnen sollen. 32 Millionen Euro sind zwar immer noch ein gewaltiger Batzen. Aber für die Realisierung aller öffentlich-rechtlichen Nutzungsträume bei Weitem nicht genug. Das kommunale Planungsruder wird also kampflos dem Bund übergeben. Und als Trostpreis dürfen sich nicht mal Landesbibliothek UND Humboldtuniversität im neuen Schloss ausbreiten.
Berlins Kultursenator Klaus Wowereit hat auf die offenen und übrig gebliebenen Fragen keine Antwort und schweigt wieder einmal. Dass der Deal Berlins mit dem Bund verantwortungsvolles Agieren zum Wohle der Stadt gewesen sei, bezweifelt nicht nur die bündnisgrüne Abgeordnete Alice Stöver. Und während der Palast noch nicht einmal komplett abgerissen ist, überlegt man schon, wie beim Neubau des Stadtschlosses schon jetzt wieder kleinere Brötchen gebacken werden können.
Der Druck, öffentliche Nutzungungen zugungsten privater Investitionsanteile preiszugeben, ist erheblich. Angstvoll muss man in Richtung Braunschweig blicken, wo gerade die Otto-Tochter ECE “ihr” Stadtschloss eröffnet hat. In Berlin kristallisiert sich dennoch der Minimalkonsens: Die historische Fassadengestaltung hat Priorität. Das ist in Braunschweig auch der Fall. Wozu man den Bau aber neben der Nutzung durch Berliner Insitutionen eine Berliner Institution noch braucht, steht weiter vollends in den Sternen.
Erst nachdenken, dann handeln. Vielleicht wäre es bei all dem Kuddelmuddel doch sinnvoller gewesen, den Palast nicht abzureißen, wie es die Bündnisgrünen gemeinsam mit dem Palastbündnis bis zuletzt gefordert hatten. Sie machten noch 2006 klar, dass die Kosten für den Abriss zu niedrig angesetzt seien. Statt der angepeilten 7 Millionen Euro (Abriss-!) Kosten, prophezeiten die Bündnisgrünen mindestens 20 Millionen Euro. Und siehe da, ein Jahr später werden die Kosten von Senatsseite auf mindestens 18,2 Millionen Euro geschätzt. Auch auf die Gefahr von Zusatzkosten im Rahmen der Asbestbeseitigung hat die Partei hingewiesen, was bei Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) aber auf taube Ohren stieß. Als ruchbar wurde, dass sich die 7 Millionen nicht einhalten lassen, korrigierte sie sich im Dezember 2006 flugs auf 14 Millionen. Auch das war damals schon nicht mehr realistisch.
Das Schloss soll nun für eine halbe Milliarde Euro erbaut werden. Das erstaunt, waren doch in der Vergangenheit Summen von bis zu 1,2 Millarden genannt worden. Exakt diese Zahl hatte unter Berufung auf die entsprechenden Kreise die Berliner Zeitung im Jahr 2005 angegeben. Selbst die Initiative Berliner Schloss e.V. sprach 2005 noch von 670 Millionen Euro. Von einem Schmalspur-Schloss ist aber dieser Tage nicht die Rede. Im Gegenteil dürfte der Palast als Kuppelbau eher teurer werden. Trotzdem gaukelt man der Bevölkerung vor, es ginge noch preiswerter. Sollte sich das in der Bauphase als “Irrtum” erweisen, darf von der öffentlichen Hand munter nachgeschossen werden. Schließlich darf der demokratische Bauherr eines nicht riskieren: Statt der Palast- nun eine Investruine an diese prominente Stelle im Herzen der Hauptstadt zu stellen.
Du versuchst wieder mal alles am Thema abzuarbeiten. Schreib doch einfach: Der Schlossneubau ist doof. Punkt. Meine Zustimmung hättest Du;-)
Hat mich schon mal einer mit ner Keule durch den Wald rennen sehen? Also ich nicht…