Kurzer Wurf/dicke Kinder
Die Gewohnheiten von erwachsenen Menschen zu ändern, ist ein hartes Brot. Leichter fällt es, wenn bestimmte Verhaltensweisen schon im Kindesalter vermittelt und geübt werden. Darauf basiert die Forderung nach frühkindlicher Bildung bereits in den Kitas. Und nicht nur spracherzieherisch oder mathematisch soll bei den ganz Kleinen gewirkt werden, auch Kompetenzen bei der Lebensführung gehören ins Kita-Bildungsprogramm.

Steuerfinanziertes Schulfrühstück in New York City; Quelle: Flickr’s Runs With Scissors, CC
Die alarmierenden Zahlen dicker Schulkinder haben nun die Senats-Gesundheitsverwaltung aufhorchen lassen. Die Behörde will mit einem Maßnahmenkatalog deren Zahl von 12 auf 10 Prozent in den nächsten drei Jahren senken. Die Stippies im Alter von unter 6 werden - so der Plan - künftig in Lernküchen selbst gesunde Kost zubereiten. In Beratungsgesprächen sollen auch die Eltern darüber aufgeklärt werden, wie gesunde Kost aussieht und was Chips und Schokoriegel als Schulkost beim Nachwuchs anrichten.
Leider lässt der Senat offen, wie diese Vorhaben in die Tat umgesetzt werden sollen. Schon jetzt leidet die Betreuung der Kinder unter fehlendem qualifizierten Personal. Das Leitbild “Kitas als Bildungseinrichtungen” ist derzeit an vielen Orten in der Stadt eine vage Illusion. Aber nicht einzig mehr Personal schafft dünne Kinder. “Kinder benötigen mehr Spiel- und Bewegungsräume”, konstatiert Elfi Jantzen, gesundheitspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Berliner Abgeordnetenhaus.
Darüber hinaus erweckt die gestrige Erklärung von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) den Eindruck, als gehe es um bloßes Ausgleichen von familiären Bildungsschwächen. Schlechte Ernährung ist aber vor allem oft da anzutreffen, wo Menschen in prekären Verhältnissen leben und die Eltern für staatliche Maßnahmen bereits nicht mehr empfänglich sind. Hier helfen auch diese neuen Beratungsangebote des Senats nicht. Bei ihnen hilft nur gezieltes langfristiges Engagement - nicht allgemeines Infotainment. Für sie müssen alle bezirklichen Sozial- und Jugendmaßnahmen auch auf den Aspekt Gesundheit und Ernährung ausgerichtet werden. Damit - auch wenn es profan klingt - auch Milch und Äpfel wieder feste Posten auf jeder Einkaufsliste werden ist deutlich mehr nötig als dieser kurze Wurf.
: Der schwere Weg zum Normalgewicht
: Kommentar Totenköpfe auf der Schokoladentafel
: Berliner Zeitung vom 5. November 2007
: Magere Projekte für dicke Kinder
: Pressemitteilung von Elfi Jantzen, gesundheitspolitische Sprecherin
: von Bündnis 90/ Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus
: am 5. November 2007