9 macht klug

By André Stephan

Deutschlands Schullandschaft ist im Umbruch. In den einzelnen Bundesländern - sie sind für Schulstruktur und Lerninhalte zuständig - werden heftig Veränderungsbedarf, Konzepte und Formen rund um den juvenilen Wissenserwerb diskutiert. In den Metropolen konzentriert sich die Debatte vor allem auf die Frage, ob und wie viel Differenzierung gut tut. Sollen Schülerinnen und Schülern nach der 4- bzw. 6jährigen Grundschule je nach Leistungsvermögen getrennte Schulgebäude aufsuchen oder ist es zuträglicher, länger gemeinsam zu lernen?

Christa Goetsch; Foto: Kai Wilken, CC
GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch; Foto: Kai Wilken, CC

Die Berliner Sektion von Bündnis 90/Die Grünen hat sich bereits Grundsätzlich zur Auflösung des dreigliedrigen Schulmodells bekannt. Haupt-, Real-, Gesamtschulen sowie das Gymnasium soll es demnach in entfernter Zukunft nicht mehr geben. Als Zwischenschritt, um das Größte aller Übel schnell zu beseitigen, soll die Hauptschule abgeschafft werden. So steht es zumindest im Wahlprogramm 2006 und erscheint den Akteuren der hauptstädtischen bündnisgrünen Bildungspolitik als das, was mit der hiesigen SPD (”alles soll bleiben, wie es ist”) und der lokalen CDU (”alles soll bleiben, wie es immer war”) am ehesten durchsetzbar ist.

Der Grünen Jugend ist die Gemeinschaftsschule als Fernziel jedoch nicht genug. In ihrem Jugendwahlprogramm forderte sie die rasche Einführung der Gemeinschaftsschule. Und um mehr Rüstzeug für diese Position zu erhalten, hatte sie sich für diesen Montag kurzerhand die Hamburger Fraktionsvorsitzende Christa Goetsch einfliegen aus der Hansestadt kommen lassen, wo sie schon lange die Schule unter einem Dach proppagiert.

Unter dem Konzept “9 macht klug” stellte sie den Junggrünen die Ideen des Hamburger Parteiverbandes GAL vor. Mit diesem fordert Goetsch qualitativ hochwertige “echte” Ganztagsschulen, in denen das Sitzenbleiben abgeschafft ist, die als Schule selbst autonome Entscheidungen treffen kann und in der jede Schülerin und jeder Schüler ein Höchstmaß individueller Förderung erhält. Rasch sei ein ein solch “großer Wurf” aber nicht zu realisieren. Für Hamburg dauere eine entsprechende Veränderung des Schulsystems etwa 10 Jahre. Von einem “Zwischenschritt Zweigliedrigkeit” riet die Politikerin aber ab. Die Probleme der Selektion und die mögliche Etablierung einer “Resteschule” seien damit nicht gelöst.

Diskutiert wurde auf dem Treffen der Grünen Jugend auch der aktuelle Gemeinschaftsschulversuch des Berliner Senats. Cola Kuhn vom Bildungsbereich der Berliner Grünen stellte klar, dass dieses Projekt alle anderen Maßnahmen zur Verbesserung der Schulstruktur blockiere. Dass es aber Schulen gebe, die sich die zusätzlichen Mittel nicht entgehen ließen, sei ihnen nicht zu verdenken. Derweil schaut die Republik auf Hamburg, wo am 24. Februar 2008 ein neues Parlament gewählt wird. Sollten Bündnis 90/Die Grünen gestärkt in die Bürgerschaft einziehen und an der nächsten Regierung beteiligt werden, könnte wohl bald die Umsetzung von “9 macht klug” ins Haus stehen. Ein Dammbruch - zu dem sich überraschenderweise eine breite Zustimmung in der Hamburger Bevölkerung erreichen ließe.

: Das Bohren harter Bretter
: Interview mit GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch auf gal-hamburg.de

: Infoposter 9 macht klug PDF

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