Kultursenator schafft Kultur
Offenbar tut sich in der Stadt kulturell im Moment nicht allzu viel. Doch Rettung naht: Um dennoch ein wenig Schwung in die träge Hauptstadt zu bringen, hat sich der Berliner Kultursenator offenbar gleich selbst ins kreative Treiben gestürzt. Da Klaus Wowereit (SPD) nicht singen kann und seine schauspielerischen Auftritte bisher auch als eher nebensächlich gelten können, schreibt der Regierungschef eifrig an seiner ersten Autobiographie: “Und das ist auch gut so!” Nein - das ist jetzt nicht meine politische Bewertung dieses Vorgangs. Bei UDAGS handelt es sich um den höchst originellen Titel der Lebensniederschrift des Regenten.

Stimmt auch schon mal ein Lied an…
Foto: René Imre (Flickr’s René_Berlin ) | CC-Lizenz
Schon mit der Wahl seines Verlages macht der ambitionierte Karrieremann Wowereit klar, dass es ihn in seinem weiteren Werdegang auf die Bundesebene zieht. Kein profitsensationsorientierter Berliner Verlag wurde für das Werk erwählt. Nein, er stärkt das Münchner Bücherwesen. SPD-Freund und Oberbürgermeister der Bayern-Kapitale, Christian Ude, wird ihm einmal mit seiner Parteitagsstimme danken, die Veröffentlichung der sensiblen Histörchen “unseres Klaus” dem zum Random House-Konzern gehörende Verlagshaus Karl Blessing übergeben zu haben. Dort sind sie auch in guten Händen. Schließlich kennen sich Verlagschef und Regierungschef schon vom Golfplatz.
Insgesamt aber ist es doch erfreulich, dass Kultursenator und Regierender Redigiermeister Wowereit doch noch ein Ventil für seine überschüssige Energie gefunden hat. Denn offenbar gibt es politisch nicht viel, was ihn zurzeit bewegt. Alle klagen, Wowereit habe zu den Entschuldungsvorschlägen für die darbende Bundeshauptstadt nichts zu sagen. Auf seiner Homepage - bisher das Zentralorgan für Fans des “Wowi-Bären” - gab es im März 2007 ganze sieben politische „News“ - im April erst eine einzige. Und bisher war das “verstärkte Einbringen auf Bundesebene” nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, sieht man von feurigen Aufrufen zu mehr guter Laune mal ab.
Und so blieb und bleibt genügend Zeit, auch mal zurückzublicken und in sich zu gehen. Selbstverständlich nur, um - ganz bestimmt - neue Ideen für die Zukunft Berlins zu entwickeln. Wir sind gespannt. Die über 200 Seiten “autorisierter Wowereit” liegen schließlich bald zu einem Hauptstadt kompatiblen Preis von 19,95 Euro am Kiosk.
Ich freu mich drauf! Wollt schon immer mal wissen, wo der Wowi so tickt!
Der Wowi tickt? was vertickt er denn?
DAS widerrum hab ich mir schon immer gedacht… und 19,95 is mir zu teuer, da wart ich lieber aufs Paperback, hartes Rückgrat ist eh nicht Wowereits Stärke.
Warum machst Du Werbung für so ein Blendwerk?
Na es ist schon interessant, dass unser Regent, obwohl größere Leistungen noch ausstehen, schon an seinem Denkmal meißelt. Ich finde, er sollte seinen Kreativüberschuss in politische Ideen einbringen. Dann klappt’s auch mit dem Nachruf.
Ich finde es ja bezeichnend, wie er sich hier zur Kunsthalle äußert:
http://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=1251