Im Kosmos
Obwohl in vielerlei Hinsicht längst alles klar schien, war es spannend bis zuletzt: Gestern hat
der Berliner Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen auf einer Delegiertenkonferenz seine politischen Vor-Frauen und -Männer neu bestimmt. Etwa acht Stunden dauerte es, bis die personellen Weichen in die Zukunft der Partei gestellt waren, die bei Wahlumfragen zuletzt bei etwa 17 Prozent gesehen wird.
Zu Vorsitzenden sind für die kommenden zwei Jahre erwartungsgemäß Barbara Oesterheld (Friedrichshain-Kreuzberg) und Irma Franke-Dressler (Steglitz-Zehlendorf) gewählt worden. Der weiblichen Doppelspitze wird zugetraut, den Landesverband zu professionalisieren und ihm inhaltlich klarere Konturen zu verpassen. So machte Franke-Dressler klar, keine “weichgespülte Vorsitzende” zu sein. Sie könne Konflikte austragen und in ihnen bestehen.
Barbara Oesterheld, elf Jahre lang direkt gewählte Abgeordnete im Landesparlament, betonte die Rolle der Parteibeschlüsse auch im politischen Tagesgeschäft. Das Primat haben die knapp 4.000 Parteimitglieder. Die eher links verortete Politikerin werde sich dafür stark machen, dass auch diejenigen politisch vertreten werden, die nicht zu den “Reichen und Schönen gehören”.
Beide Politikerinnen hatten schon zu Jahreswechsel ihre Kandidatur für die höchsten Ämter, die eine Landespartei zu vergeben hat, erklärt. Der Schauspieler Matthias Dittmer, der ebenfalls angetreten war, unterlag. Die bisherigen Vorsitzenden verzichteten auf eine Wiederkandidatur. Bereits vor einem Monat ist die “Politische Geschäftsführung” aus der Landessatzung getilgt worden, so dass eine diesbezügliche Wahl entfallen konnte.
Die Konferenz, die im Friedrichshainer “Kosmos” zusammenfand - einst das erste Multiplexkino in der Spreemetropole und jetzt Aufführungsort für Musicals - hatte noch eine Reihe weiterer Tagesordnungpunkte zu bewältigen. Sie bestimmten den 30jährigen Benjamin von der Ahe zum Landesschatzmeister. Spannend wurde es bei den übrigen Vorstandsposten (”Beisitzer”), da hier mehr Kandidierende als zu vergebende Plätze antraten.
Und so kam es auch zu einigen Kampfabstimmungen. Klar durchsetzen konnten sich Regina Schmidt (Lichtenberg) und Wolfgang Pohner (AG Frieden-Internationales). Sowohl Julia Seeliger, die von der Grünen Jugend ins Rennen geschickt worden war als auch der Pankower Kreisvorsitzende Stefan Gelbhaar zwang das Delegiertenvotum in weitere Wahlgänge. Gelbhaar bekam 2 Stimmen mehr als sein Gegenkandidat Holger Michel, ebenfalls von der Grünen Jugend, und entschied wie auch Seeliger das Rennen am Ende für sich.
Die Delegierten folgten aber dem GJ-Votum insgesamt nur widerwillig oder gar nicht. Da tröstet es nur leicht, dass immerhin drei Vorstandsmitglieder im Alter bis 30 Jahre an Bord sind. Lediglich in den Erweiterten Landesvorstand - ein Vernetzungsgremium zwischen Vorstand, Basis, Funktionsträgerinnen und Funktionsträgern - wurde die vom Jugendverband nominierte Jenna Kowalski mit überwältigendem Ergebnis gewählt.
Hier sind künftig auch die Abgeordnetenhaus-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig sowie ihr Co-Amtsinhaber Volker Ratzmann vertreten. Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz (Tempelhof-Schöneberg), AL-Gründungsmitglied Michael Wendt (Neukölln) und der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland komplettieren neben Basisvertreter Michael Schröter (Steglitz-Zehlendorf) das Gremium.
: Neuer Landesvorstandstand gewählt
: Beitrag auf gruene-berlin.de
: Grüne mit neuer Doppelspitze
: Tagesspiegel vom 25. März 2007
: Grüne ringen um Harmonie
: Berliner Morgenpost vom 25. März 2007
Nur, weil hier schon Irritationen aufgetreten sind: Ja, Irma heißt mit bürgerlichem Namen “Irmgard”. Sie mag aber lieber Irma heißen - also tun wir ihr doch den Gefallen
8 Stunden habt ihr dafür gebraucht? Ach du Schreck! Naja dann darf man ja gespannt sein, was der neue Vorstand so bringt für das grüne Volk.
… war kurzzeitig erstaunt über so schnelle berichterstattung hier auf deiner website und dann noch kürzer verwirrt über die auftauchenden namen.
hab einen wundervollen, politikfreien sonntag, liebes arbeitstier!!!