Fragen und Antworten
Der bündnisgrüne Nachwuchs wird nicht leise. Das Interview-Magazin Galore hat in seiner aktuellen Ausgabe (April 2007; 3,90 € am Kiosk) ein Gespräch mit Parteirats-Mitglied Julia Seeliger veröffentlicht. Dabei handelt es sich eher um eine entspannte Nachbereitung der Parteitagswirbel um “die grüne Pippi Langstrumpf” und ihre Positionen.

Die 28jährige, die seit 14 Tagen auch frauenpolitische Sprecherin im Landesvorstand Berlin von Bündnis 90/Die Grünen ist, äußert sich im Gespräch mit Patrick Grossmann zu ihrer Auffassung von Politik und Engagement, zur Entwicklung der Partei und zum Zusammenspiel mit den hauptamtlichen Politprofis im Parteirat. Diese hatten sich zunächst perplex gezeigt angesichts der provokanten Forderungen des Ex-Vorstandsmitglieds der Grünen Jugend.
“Viele Leute scheinen einfach froh zu sein, dass endlich überhaupt mal jemand aus der Netz-Generation oben mitmischt.”
So thematisierte sie Realismus im Bezug auf den Umgang mit Drogen (sprich: Legalisierung) und gesellschaftliche Anpassung an die Wirklichkeit, wenn es um vielfältige partnerschaftliche Lebensformen geht. Man darf gespannt sein, ob es ihr gelingt, diese Diskussionen auch in ihrer Wirkungsstätte Berlin mit Parteibasis - wo die Thesen als auch nicht unumstritten gelten - und Gesellschaft zu führen.
Dafür beginnt sie mit moderaten Tönen schon jetzt, vorschnelle Urteile ihrer Person gegenüber aus der Welt zu schaffen. Das könnte als Brücke denjenigen gegenüber verstanden werden, die sich vom Stil der Jungpolitikerin gerade nicht zu einer Debatte eingeladen fühlen.
“Es sich mit allen zu verderben, halte ich nicht für die Lösung. [...] Mit Forderungen, sofort alle Autos abzuschaffen, kommen wir nicht weit.”
Politik braucht schließlich nicht nur pointiert formulierte Positionen. Politik braucht immer auch Diskussionsbereitschaft und damit die Fähigkeit, die eigenen Ansichten in Frage zu stellen. Wenn die “Remix-Generation” der Bündnisgrünen es schafft, das zu kultivieren, braucht einem um die Zukunft der Partei nicht bange sein.